Ein Kurs als Wegweiser

Der Grundkurs der Landvolkshochschule Hardehausen ist für viele weit mehr als „nur“ eine Weiterbildung. Wer mit ehemaligen Teilnehmenden spricht, hört Sätze wie „Freundschaften fürs Leben“, „Endlich Zeit für mich“ oder „Blick über den  Tellerrand“.
In diesem Jahr fand der Kurs bereits zum 100. Mal statt. Grob geschätzt haben ihn in den vergangenen Jahrzehnten 2600 Personen besucht. In diesem Winter verbrachten 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Westfalen, Niedersachsen und Hessen sechs Wochen auf der ehemaligen Klosteranlage im Kreis Höxter.
Die Wurzeln des Grundkurses liegen in der Vorkriegszeit, doch erst ab 1949 nahm er richtig Fahrt auf. Zunächst nach Geschlechtern getrennt – daher kommt man auf die Zahl 100 – lernten die jungen Bäuerinnen und Bauern, Verantwortung für die junge Demokratie zu übernehmen und sich auf die rasante Modernisierung in den Dörfern einzustellen. Wichtig war dabei die Devise „Leben und Lernen unter einem Dach“.
Der Kurs hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt: Geschlechtergetrennte Lehrgänge wurden 1972 aufgehoben, benotete Arbeiten und täglicher Gottesdienst abgeschafft, Methoden und Inhalte den Lebensrealitäten junger Menschen angepasst. Heute ist er stärker auf Themen ausgerichtet, die in Ausbildung oder Studium oft zu kurz kommen, wie persönliche Entwicklung, Kommunikation, Verantwortung im Betrieb und gesellschaftliches Engagement.
Mittlerweile kommen viele Teilnehmer nicht mehr aus dem Hochstift Paderborn und stehen nicht zwischen landwirtschaftlicher Lehre und Höherer Landbauschule, wie es noch vor Jahrzehnten der Fall war. Es ist ein „bunter Haufen“ junger Menschen bis 30 Jahre mit unterschiedlichen Werdegängen. Einige haben gerade ihre Ausbildung beendet, andere stecken mitten im Studium oder haben es schon abgeschlossen. Was sie eint, ist ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft und der Mut, sich selbst zu hinterfragen.
Vom Tanzkurs über Mitarbeiterführung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit reicht das Programm. Die Gruppe traf sich mit anderen Betriebsleitern und war eine Woche in Baden-Württemberg unterwegs. Wie früher geht es darum, den eigenen Horizont zu erweitern und Netzwerke zu gründen.
Der Grundkurs hat sich weiterentwickelt, ohne seinen Kern zu verlieren. So ist er zu einem Markenzeichen der Landvolkshochschule Hardehausen geworden. Bischof und Bistum haben sich klar zu seinem Erhalt bekannt. Ein sechswöchiger Kurs mit Vollverpflegung und umfangreichem Programm für rund 2000 € lässt sich nicht in einer einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung fassen. Für alle Teilnehmer ist der Grundkurs vor allem eines: ein Gewinn für die eigene Zukunft.

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